Vortrag einer Zeitzeugin
oder
Wie man Schüler zum Zuhören bringt

Der Schulleiter - Herr Woltermann - bei der Einführung


Am Donnerstag, dem 07. September schleppten sich die Schüler des Jahrgangs 12 zur dritten und vierten Stunde in den alten Musiksaal. Ein Vortrag zum Thema "Nationalsozialismus und Drittes Reich", gehalten von einer Zeitzeugin, der Jüdin Orna Birnbach. Sicherlich rechneten wir ihr hoch an, über ihre Erlebnisse zu sprechen, gibt es doch nur noch wenige Überlebende dieser Zeit und noch weniger, die sich auch noch bereit erklären, darüber zu reden. Aber schon wieder einen Vortrag? Schon wieder zu einem Thema, von dem wir glaubten, schon genug gehört zu haben? Nun, man lernt nie aus. Da saß nun also eine ältere kleine Dame, die leise und eindringlich zu sprechen begann.

Frau Orna Birnbach

Sie erzählte detailliert von ihrem Leben, von der Zeit, bevor die Nazis in ihr Leben brachen, und von der Zeit, in der sie mit Leid, Schmerz und Trauer zu kämpfen hatte. Sie sprach so zum Beispiel von dem Tag, an dem ihre Familie zu Hause von den Besatzermächten überrascht wurde, an dem sich ihr ganzes weiteres Leben verändern sollte. Aller Besitz wurde ihrer Familie genommen, sie wurde aller Rechte beraubt. Und das nur, weil es eine jüdische Familie war.

Orna Birnbach sah als junges Mädchen, wie ihr Vater erschossen wurde, ihr Cousin und "erste große Liebe" umgebracht wurde, und sie erlebte mit, wie Menschen ihre Menschlichkeit verloren. Sie sprach von ihrer Zeit im KZ, in der jeder um das Überleben kämpfte, von ihrer Angst zu sterben und von der Sorge um ihre scheinbar verlorene Mutter. Dies alles erzählte sie ruhig, beinahe gelassen in einem leisen, angenehmen Ton, und während der Kloß im Hals von einigen Zuhörern immer größer wurde, während einige begannen, im Stillen über diese Grausamkeiten nachzudenken, stahl sich manchmal sogar ein kleines Lächeln auf das Gesicht der alten Dame, wenn sie sich an vergangene Begegnungen und Erlebnisse mit ihrer Familie erinnerte, an den Mut ihres Vaters beispielsweise, der einigen Frauen - auch ihr selbst - das Leben rettete.

Es war erstaunlich, an welche Kleinigkeiten sie sich noch nach all der Zeit erinnern und es uns, den Zuhörern, vermitteln konnte. So lauschten also alle, auch die, die zuvor geglaubt hatten, schon alles über diese Zeit erfahren zu haben, gebannt und manchmal auch entsetzt ob der Gräueltaten, von denen sie sprach, ihren Worten.

Wieder mal ein Vortrag über den 2. Weltkrieg, seine Opfer, seine Täter, aber diesmal der eindringliche Bericht einer Frau, die dies alles erlebte, die so viel litt und dennoch, wie sie sagte "die deutschen Jugendlichen liebt", denn sie haben keine Schuld an dem, was geschah, können nur verhindern, dass es jemals wieder geschieht.

An dieser Stelle noch unseren herzlichsten Dank an unsere Geschichtslehrer, die uns ermöglichten, diesen Bericht zu hören, und natürlich an Orna Birnbach, die uns so bereitwillig ihre Geschichte erzählte.


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